everything's gone green   °






als ich auf seite 173 von diesem buch war, legte ich das buch beiseite und betrachtete meinen körper. ich hatte eine gänsehaut auf den armen, auf den beinen, ja sogar auf meinem arsch. die gänsehaut blieb beharrlich stehen. ich ging nach nebenan zur gattin und sagte: "schau mal". sie schaute und erschrak. das war gestern.

heute reicht allein der gedanke an das, was ich auf seite 173 las, und die gänsehaut kommt wieder. bisher gab es dies bei mir nur bei david lynchs lost highway in dem moment, wo der protagonist den nichtfunktionierenden fick aufgibt und im gesicht seiner freundin für sekundenbruchteile das gesicht des weißgeschminkten teufels sieht.

thomas glavinic erzählt in seinem buch die arbeit der nacht die geschichte eines mittdreißigers aus wien, der eines morgens aufwacht und feststellt, dass er alleine auf der welt ist. radio, fernsehen, internet sind tot. keine menschen auf der straße, niemand. ansonsten ist alles in bester ordnung. häuser, bahnhöfe, geschäfte, alles steht da. außer einer erkältung hat er keinerlei körperliche probleme.

er zieht umher und versucht spuren menschlichen lebens zu finden. er klaut essen aus supermärkten, hält sich damit gut am leben, beginnt später videokameras zu stehlen, um sie an verschiedenen stellen in der stadt und der wohnung aufzustellen. er versucht beim betrachten der aufzeichnungen lebenszeichen zu sehen. doch den größten horror erlebt er, als er sich das band ansieht, welches er mit stativ nachts filmte, es zeigt ihn schlafend. aber eben nicht nur das, sondern es geschieht das, was auf seite 173 geschieht und ich möchte das nicht vorwegnehmen.

das buch hat knapp 400 seiten. ich stecke also noch mittendrin, kann aber jetzt schon sagen, dass es unglaublich spannend, beklemmend und nachgerade wahnsinnigmachend ist. unbedingte kaufempfehlung.

(print.wirkt.)

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