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ein abend bei stayfriends. wie erschreckend es ist, was die zeit aus uns macht. wie sich die wunden, die uns geschlagen wurden und die wir selbst schlugen, in unseren gesichtern, unserem blick, aber auch in frisuren und ihren wechseln, in narben, bärten und bartversuchen niederschlagen. wie die gesichter und körper derer, mit denen wir gemeinsam im erdkundeunterricht saßen, auf klassenfahrten johnny walker tranken, den wir unterm bett versteckten, bereitwillig auskunft geben. wie wir mit unseren datensammlungen und nachaußenstülpungen privatester dinge eine dicke, fette, asphaltierte straße in die hölle bauen, aus der schon jetzt dämonen uns entgegenkriechen, auf der suche nach unserem nucleus. einzelne springen noch ab, radieren ihre straßen wieder aus, andere legen irrwege, doch die meisten werden überrannt werden, schon bald.
(moderne welt) spaghetti polonaise
(calau) ![]() nun ist er also endlich da. gesehen hatte ich diesen kleinen wunderknaben auf der high end messe in münchen. es handelt sich dabei um einen schnuckeligen, nach spielzeug aussehenden, aber keinesfalls zu unterschätzenden röhrenvollverstärker. er leistet 2x10 watt an 8 ohm, das hört sich wenig an, aber das ist es nicht, denn 10 röhrenwatt sind mit 10 transistorenwatt überhaupt nicht zu vergleichen. als vorstufenröhren kommen zwei 6n3, als endstufenröhren vier el84 zum einsatz. die übertrager sind handgewickelt und -vergossen, hinter der frontplatte sauber gelötete, spartanische, aber effektive schaltungen mit wohldimensionierten kondensatoren. die rückseite bietet zwei vergoldete cynch-eingänge und hochwertige lautsprecherklemmen (schrauben und bananenbuchse). die frontseite kommt mit einem ein- und ausschalter, einem eingangswahlschalter (aux / cd) und einem lautstärkeregler aus. wie klingt das teil? erstaunlich. ich habe zwei boxenpaare; ein teufel m80/m800 set und ein selbstgebautes transmissionline-system auf der basis von fostex fe103 breitbändern. letzteres ist nicht sehr bass-stark, hat aber aufgrund der nicht vorhandenen frequenzweiche den großen vorteil, dass es keinerlei phasenschweinereien gibt, weil es keine geben kann - und das kommt der räumlichkeit massiv zugute. das letztgenannte paar nehme ich daher für geringe bis mittlere lautstärken und jazz- oder klassische musik und die teufels für alles, was rummsen muss. bisher verrichtete an beiden sets ein harman kardon hk 670 klaglos seine arbeit. wie alle harman kardons ein bassfreudiges, insgesamt aber eher zurückhaltendes, analytisches gerät. nun also den yarland angeschlossen und dann ein großes WHOW. der hörraum verdoppelt sich in der größe. als erstes gebe ich ihm mogwai - take me somewhere nice, und die gitarre ganz am anfang scheint plötzlich nicht mehr aus dem linken lautsprecher zu kommen, sondern von sicherlich einen meter weiter links. der raum öffnet sich in breite und tiefe, alles klingt unglaublich detailreich. sagenhaft. ich wechsle, mozart, requiem, eine sacd von einem audiophilen label. crisp, klar, tief, beeindruckend. weiter geht's, philip caterine live, eine fantastische aufnahme des niederländischen rundfunks, das jazztrio springt einem förmlich entgegen. ich höre und höre und höre und will es nicht glauben, diese kleine kiste spielt den harman kardon mit nachdruck an die wand. das wohnzimmer, wo der ganze kram steht, hat 32 quadratmeter. wenn der lautstärkeregler auf 50% steht, ist das zimmmer mehr als gründlich beschallt, obwohl die teufels nicht gerade boxen mit meisterhaftem wirkungsgrad sind. kommen wir zu den nachteilen: das gerät hat keine phono-entzerrung, das mitgelieferte netzkabel ist naja, es gibt oben auf dem röhrenset einen umschalter, mit dem die röhren wahlweise im pentoden- oder triodenbetrieb gefahren werden können, der ist für mein gefühl etwas riskant klein dimensioniert, weswegen man ihn nur im ausgeschalteten zustand des geräts bewegen sollte. man kann diesem verstärker noch pimpen, in dem man die mitgeliefertern röhren gegen sovteks oder was besseres tauscht, aber ich betone ausdrücklich, dass das nicht erforderlich ist. das gerät klingt schon so, wie es geliefert wird, af-fen-geil. wichtig auch für röhren-neulinge: die amps niemals nie ohne last (vulgo: ohne angeschlossene lautsprecher) betreiben, denn sonst können die übertrager heißer werden, als es gut ist. ansonsten mit sicherheit das spannendste stück hifi, das ich je gekauft habe. der preis: beschämende 299,00 euro. jawohl, 299. mehr über das gerät auch hier: ornec.com und hier: crafty.nl es gibt einen deutschen importeur: wilbrand acoustics in nordhorn. die haben derzeit noch ca. 22 stück auf lager. wenn ihr nicht ganz bekloppt seid, dann lauft los bzw. ruft da an und bestellt die dinger. die jungs bei wilbrand sind nett und zuverlässig. vor direktimporten aus china ist zu warnen, denn dort kriegt man zumeist nur die 220v-versionen, denen die deutschen 230 volt nicht gut bekommen. wenn ihr das gute stück kauft: macht euch und dem verstärker ein paar freuden: kauft ordentliche cynchkabel. kauft ordentliche lautsprecherkabel, die für linken und rechten lautsprecher genau gleich lang sind. nehmt hochwertige bananenstecker. es lohnt sich wirklich. ach ja. will einer einen harman kardon hk 670 haben? (stilles glueck der elektroakustik) your head will collapse
but theres nothing in it and youll ask yourself (notizzettel vor denen ich mich verneige) ![]() ![]() die volksbühne war ein dunkler, magischer ort gewesen. ein mythisch aufgeladener ort aus mehreren gründen. wir hatten alle gemeinsam schäumend-perlende biere getrunken, später waren wir aus pipimachgründen umgestiegen auf gin tonic, hatten diesen wunderbaren raum betreten, dieses volkstheater im wortsinne, dieses einzige theater, in dem man während der vorstellung bier trinken durfte. hatten eine ausgezeichnete, kluge vorband genossen, und dann irgendwann waren the notwist gekommen, und sie hatten uns verändert mit ihrer musik. markus acher ist ein mann allerhöchster glaubwürdigkeit, der schlicht und einfach einer der großen könner dieses landes ist. weil er z.b. ohne plektrum gitarre spielt, weil er melodien setzen kann, weil er offenbar von allen moden unbeeinflusst ist und es schafft, mit seiner band das komplette repertoire aus zornigem frühwerk und brizzelndem elektrojetztwerk auf die bühne zu bringen. mit verve, eiern und sehr viel gelungener improvisation. ein traumhafter abend, an dem nichts und niemand gefehlt hat. ein traumhafter abend, an dem nur die musik zählte. (momente in bernstein) Next page |
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